In den Anden und Amazonas

Zwischen Andenhochland und Amazonasdschungel

Ein Reisebericht von Silvia Blumer

Dass meine Reise nach Ecuador spannend, aufregend und eindrücklich werden würde, wusste ich bereits, als ich in Quito aus dem Flugzeug stieg. Die spezielle Lage, auf über 2800 m.ü.M. umringt mit Vulkanen, eingebetet im Guayllabamba Becken faszinierte mich ab der ersten Minute.

Schon im Flugzeug hatte mich das Reisefieber gepackt und ich wollte jeden Meter dieses südamerikanischen Landes am Äquator erkunden, vor allem das Andenhochland mit seiner rauen Landschaft und den Amazonasdschungel mit der vielfältigen Pflanzenwelt steigerten meine Abenteuerlust. Was mich dann allerdings in den Projekten von La Rosa erwartete, übertraf alle meine Vorstellungen.

Das erste Projekt erwartete mich bereits ein paar Tage später, besser gesagt erwartete mich Marco vom Projekt Pro Minadores de Suenos. Ich begleitete Marco in das Stadtrandviertel Rancho los Pinos, wo das Kinderhilfsprojekt seit 2003 Kinder und Jugendlichen hilft, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. In Rancho los Pinos erinnert nichts mehr an das geschäftige Treiben der Innenstadt. Ländlich und ruhig gestaltet sich die Umgebung, mit einem herrlichen Ausblick über die Stadt. Marco führt mich durch die zwei Gebäude seines Projektes, ich spürte seine Leidenschaft in jeder Erklärung. Ich war sehr beeindruckt, was er sich hier aufgebaut hat und wie er die, nicht immer einfachen, Aufgaben meistert. (mehr zum Projekt unter: www.prominadoresdesuenos.org)

Einige Tage später schlängelte sich der Bus durch die Strasse hinauf in die Hauptstadt Riobamba in der Provinz Chimborazo. Die Stadt ist umgeben von 5, zum Teil aktiven, Vulkanen. Der Vulkan Chimborazo (6310m) zog mich direkt in seinen Bann. Wie klein der Mensch doch ist in dieser atemberaubenden Sierra, umgeben von dieser wilden Naturschönheit. Hier leben die Menschen unter schwierigsten Bedingungen und fühlen sich trotzdem geborgen und beschützt. Auch mich überfiel dieses Gefühl von Geborgenheit, weit entfernt meiner Heimat und ich freute mich auf die kommenden Tage in der Adolfo Kolping Schule.

Das Colegio Adolfo Kolping bietet für Kinder und Jugendliche der ärmsten Bevölkerungsschicht eine ganzheitliche Schulbildung und eine Zusatzausbildung in drei Fachrichtungen. Die Jugendlichen erhalten die Möglichkeit eine Ausbildung in der Hotellerie, Schreinerei oder Metallwerkstatt zu absolvieren.

Bereits die Begrüssung in der Schule war so herzlich, dass ich meine Nervosität in kürzester Zeit vergessen hatte. Die Patenschüler beschenkten mich mit traditionellen Accessoire und freuten sich über die mitgebrachten Spenden. Sie sind alle unglaublich dankbar für die Hilfe und sehr stolz darauf, eine Ausbildung in der Adolfo Kolping Schule machen zu dürfen! Zwei ganze Tage durfte ich mich in der Schule frei bewegen, alle Jugendlichen kennenlernen, in der Küche feine Dessert probieren, in der Metallwerkstatt die Maschinen unter die Lupe nehmen, die Möbel in der Schreinerei bestaunen und schliesslich eine Unterrichtsstunde mit den Primarschülern verbringen. Die Eindrücke waren fantastisch. Die Lehrpersonen sind alle sehr offen, auskunftsfreudig und mit grossem Engagement mit dabei! Vor allem mit Marta, der Sozialarbeiterin, konnte ich mich lange über die Schule uns die Schwierigkeiten der Schüler und Familien unterhalten. Viele von ihnen leben in sehr armen Verhältnissen und können sich keine Ausbildung für ihre Kinder leisten. Diese zwei Tage gingen mir so zu Herzen, dass ich am liebsten alle Patenschaften selber übernommen hätte. (mehr zum Projekt auch unter: www.adolfo-kolping.de)

Mit Tränen in den Augen verlasse ich ein paar Tage später die Sierra. Die warmherzigen Menschen und die unglaubliche Natur behalte ich in meinem Herzen. Mein Weg führt mich hinunter nach Puyo. Das Klima verändert sich jede Stunde und als ich in der kleinen Stadt ankomme, scheint die Sonne warm auf mein Gesicht. Die Abschiedstränen sind schnell getrocknet und ich freue mich auf die weiteren Erlebnisse.

Die kleine Stadt Puyo liegt in der Provinz Pastaza und ist von tropischem Regenwald umgeben. Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren ist gigantisch. Überall wachsen seltene Blumen und Heilpflanzen, die bis heute von den Einheimischen benutzt und verarbeitet werden. Zusammen mit einem Führer erkundete ich den Dschungel und genoss jede Minute zwischen den alten Bäumen. Bereits als Kind war ich immer im Wald unterwegs und so fühlte ich mich wie zuhause. Hier hätte ich ewig bleiben können.

Gleichzeitig machte mich die aktuelle Situation traurig. Das Amazonasgebiet schrumpft jedes Jahr. Die Abholzung nimmt kein Ende. Genau dagegen arbeitet Tzama in seinem Projekt zur Wiederaufforstung des Regenwaldes. Unermüdlich sind die Shuar in Tawasap im Einsatz, neue Pflanzen auszusetzen und die Urwaldschätze zu schützen. Als ich im kleinen indigenen Dorf ankomme sind fast alle Bewohner irgendwo bei der Arbeit. Tzama, das Oberhaupt der 18 Shuar Gemeinden, musste zu einem politischen Treffen, er kämpft dafür, dass die Natur geschützt wird. Hoffentlich mit Erfolg. Nachdenklich kehrte ich nach Puyo zurück. Was kann man noch tun, um diese magische Dschungelwelt zu schützen.

Der nächste Tag begann sonnig und mit einem herrlichen Frühstück, die Früchte in Ecuador sind so unglaublich süss, dass ich nie genug davon bekommen könnte. Gestärkt machte ich mich auf den Weg in die Unidad Educativa Especialicada. Die Schule für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung kümmert sich um über hundert Schülerinnen und Schüler.

Schon von aussen ist die Schule sehr farbig, sie sieht fröhlich aus. Als ich die Schule besichtigte, fiel mir sofort auf, dass ein liebevoller und wohlwollender Umgang herrscht. Die Stimmung war super. Was mich aber am meisten berührt hat, waren die Kinder. Fast alle wollten mir etwas erzählen, die Neugierde war riesig. Ein paar Jungs zeigten stolz ihre angefertigten Tische oder ein Mädchen hörte fast nicht mehr auf mich zu umarmen. Die Jugendlichen in der hausinternen Bäckerei backten mir feine Brötchen und andere zeigten mir den schönen Gemüsegarten. Ich war zu tiefst gerührt von dieser ganzen Herzlichkeit.

Auch bei den verschiedenen Therapien durfte ich dabei sein. Sie werden sehr professionell durchgeführt. Trotz wenig Hilfsmittel und teurer Geräte, erzielen sie wahnsinnige Fortschritte. Samuel Erazo, der Direktor der Schule, beantwortete mir alle Fragen und bemühte sich sehr mir alles zu zeigen. Aus diesem Projekt wollte ich gar nicht mehr weg. Was diese Schule mit viel Herz und Leidenschaft zum Wohl der Schüler leistet ist umbeschreibbar. Der erste Tag ging zu Ende und ich beschloss auf dem Nachhauseweg, einen weiteren Tag in der Schule zu verbringen.

Langsam neigte sich meine Reise dem Ende zu. Nach einer weiteren Woche in Tena, wo ich den Amazonasdschungel nochmals richtig genossen habe, reiste ich weiter nach Mindo in den Nebelwald.

Nur noch einen Besuch wollte ich mir unbedingt nicht nehmen lassen, nämlich bei Patricia. Sie wohnt mit ihrer Familie im Dorf Santa Teresa de Pintag, ungefähr eine Autostunde von Quito entfernt. Seit langer Zeit betreut Patricia viele Kinder aus der Gegend nach der Schule. Hilft ihnen bei den Hausaufgaben und kocht eine warme Mahlzeit für sie. Danach bleibt Zeit um zu spielen, bis die Eltern von der Arbeit nach Hause kommen und die Kinder abholen. Das Gebäude in dem die Kinder die Zeit verbringen können, war bereits in einem sehr schlechten Zustand. Der Verein La Rosa beschloss nach diesem Besuch, Patricias Projekt mit einer Renovation zu unterstützen.

Zurück in meinem geliebten Quito, nahm ich traurig Abschied von den lieben Menschen, den schönen Anden den wunderwollen Wäldern. In Erinnerung blieben mir berührende Momente, interessante Begegnungen und atemberaubende Landschaften.

Auf Wiedersehen, wunderschönes Ecuador!

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Mit der Übernahme einer Patenschaft verpflichten Sie sich zu einer regelmässigen Spende. Die Höhe des monatlichen Spendenbeitrages können sie hier auf dem Beitrittsformular gemäss ihren Möglichkeiten selbstständig festlegen.

Grundsätzlich kostet die Lehrlingsschule pro Schüler*in pro Monat CHF 75.00.
In den heilpädagogischen Schulen in Puyo und Guayaquil kostet die Unterstützung
pro Monat CHF 50.00.

Auf Wunsch bekommen sie von uns ein Patenkind zugeteilt, zu dem sie während der Patenschaft einen persönlichen Kontakt pflegen können.

Es wäre natürlich schön, wenn sie ein Kind während den ganzen 6 Jahren seiner Lehrlingsausbildung oder Zeit in der heilpädagogischen Schule begleiten könnten. Sie können die Patenschaften aber jederzeit auf Ende des Schuljahres (Juni) beenden.